Projekte im Überblick – Stand 2021

Kathmandu/Nepal

Wie in vielen Ländern der Welt wütet das Corona-Virus auch in Nepal. Besonders betroffen sind neben der Hauptstadt Kathmandu auch die Regionen entlang der Grenze zu Indien. Diese „offene“ Grenze erlaubte vielen Nepalesen, aus Indien ohne Kontrolle in ihre Heimat zurückzukehren. Damit brachten sie auch die sich schnell ausbreitende Delta-Variante mit. Das führte in Nepal zu einem kompletten Lockdown, der kompromisslos teilweise mit Prügel- und Gefängnisstrafen durchgesetzt wurde. Betroffen ist auch die von uns unterstützte „Green Society Public School“  in Chitwan,  deren Lehrer und Schüler nach Hause geschickt wurden und die in den letzten beiden Jahren nur wenige Wochen geöffnet war. Unser Partner für unsere Schule Sher Bahadur Pariyar hat mit seinen Freunden ein Hilfsprogramm für die armen Familien der Schüler ( das sind ca. 150 Familien, die kein Schulgeld für ihre Kinder zahlen müssen ) gestartet. Jede der betroffenen Familien bekommt pro Monat 25 Kilogramm Reis, 5 Kilogramm Linsen, 1Liter Öl und 1 Kilogramm Salz im Wert von 30 Euro. Problematisch bleibt aber weiterhin die Bezahlung der Lehrer der Schule, die ein Anrecht auf ihr Gehalt besitzen. Zwischenzeitlich sind seit April 2021 ca. 12 000 Euro angefallen, die noch ausbezahlt werden müssen.  Ende letzten Jahres haben wir entsprechend der Beschlüsse der Mitgliederversammlung noch 3000 Euro überwiesen, die zweckgebunden für die Anschaffung von acht Beamern verwendet wurden. Wir alle hoffen, dass im Herbst die Schule wieder geöffnet werden kann, obwohl sich die Situation in Nepal in den letzten Wochen durch den extremen Monsun und damit verbundenen Hochwasser und Überschwemmungen in vielen Landesteilen (auch in Chitwan) zugespitzt hat.

Mitraniketan/Indien

Nachdem noch in den ersten Monaten 2020 die Pandemie in Indien nicht ganz so dramatisch zu sein schien, hat die zweite und dritte Corona-Welle auch den Bundesstaat Kerala und insbesondere unser Projekt „Mitraniketan hart getroffen. Die Einnahmequellen Mitraniketans sind weitgehend versiegt. Die Gehälter der Angestellten, der Lehrer sowie der Mitarbeiter der verschiedenen Ausbildungsstätten konnten und können nicht mehr oder nur zu einem kleinen Teil bezahlt werden. Die auf dem Gelände angesiedelte Firma ist (nach einigen Todesfällen, die auf Corona zurückzuführen sind) geschlossen, so dass mehr als 200 Frauen aus der unmittelbaren Umgebung Mitraniketans (teilweise Ehefrauen oder Verwandte der Mitarbeiter) weder Arbeit noch Einkünfte haben. 

In den letzten Wochen sind seitens der Regierung einige Lockerungen für die Schulen vorgenommen worden, von einer nachhaltigen Besserung der Situation kann aber noch nicht gesprochen werden. So ist das Herzstück Mitraniketans, das „Internat“ für unterprivilegierte Kinder, wieder geöffnet, doch fehlen die Kinder aus den Stammesgebieten der Tribals, denen ein Zugang zur Schule wegen der Pandemie immer noch verwehrt bleibt, so dass zur Zeit nur etwa 25 Kinder aus der näheren Umgebung die Schule besuchen können. Ein normaler Schulbetrieb, der vor Corona weit mehr als 200 Kinder versorgte, ist unter diesen Umständen nicht möglich. Viele weitere Aktivitäten Mitraniketans – wie etwa Fortbildungskurse für indische Auszubildende – fallen komplett aus. Besuche ausländischer Gäste sind nicht erlaubt, so dass auch die Einnahmen aus dem Guesthouse, aus den Verkäufen der Bäckerei, Töpferei und Weberei, aber auch Spenden fehlen. Zu befürchten ist, dass der weitgehende Stillstand noch eine Weile andauern wird. Wir hoffen aber, dass zumindest die Kinder aus den Stammesgebieten bald wieder beschult werden können.

Unser Verein „Zukunft für Kinder“ möchte Mitraniketan in zweierlei Hinsicht helfen: zum einen (wie auch im letzten Jahr) mit einer Corona-Hilfe, über deren Verwendung die Projektverantwortlichen je nach Bedarf selbst entscheiden können, zum zweiten mit einer Unterstützung zur Fortsetzung der Renovierung des alten Mädchenwohnheims, um Arbeit und Einkünfte für die Handwerker Mitraniketans zu generieren, aber auch um den Kindern aus den Stammesgebieten nach ihrer Rückkehr ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. 

Sakhinettipalli/Indien

Unser Kontaktmann und Leiter des Projekts, Kim Nathan, schreibt uns fast schon verzweifelt, dass die Lage  zur Zeit sehr schwierig ist. Nicht nur, dass in den letzten Jahren die Überschwemmungen durch den Monsun immer zahlreicher und schlimmer geworden sind, sondern dass auch die Auswirkungen der Pandemie unser Projekt sehr hart treffen. Zwar sind die Kinder und auch die Familie Nathan bisher von einer Ansteckung verschont geblieben, aber die finanziellen Folgen sind verheerend. So sind die Kosten für Baumaterialien, aber auch für Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Lebens immens gestiegen. Auch zusätzliche Ausgaben im direkten Zusammenhang mit Covid, wie z.B. ein vom Staat gefordertes Krankenzimmer für Pandemie-Patienten mit entsprechender Ausrüstung (Sauerstoff, Masken, Betten etc.), belasten das Budget. Dank unserer Hilfe ist es aber trotzdem gelungen, die geplanten Maßnahmen der letzten Jahre zur Verbesserung der gesamten Situation abzuschließen bzw. in Angriff zu nehmen: 

  • Bau einer Schutzmauer einschließlich Überwachungskameras 
  • Erneuerung des Drainagesystems 
  • Renovierungsarbeiten in den Wohngebäuden und Neubau von drei Toiletten/Waschräumen 
  • Montage einer Solarstromanlage zur Heißwasserversorgung 
  • Bau einer Filteranlage zur Verbesserung der Trinkwasserqualität 
  • Erneuerung der Küchenausstattung (Kantine) 
  • Fertigstellung des Schulgebäudes 
  • Einrichten der Klassenzimmer 
  • Anschaffung von Unterrichtsmaterialien 
  • Renovierung und Vergrößerung des Sport- und Spielgeländes

Zur Zeit leben ca. 30 Kinder im Projekt – weniger als vor der Pandemie – und der Unterricht konnte die letzten anderthalb Jahre nur unregelmäßig stattfinden. Trotzdem ist in den Worten Kim Nathans an uns nicht nur die Verzweiflung zu spüren, sondern auch die Hoffnung auf ein zukünftig besseres Leben für die Kinder: 

„Wegen der Corona-Epidemie geht zur Zeit alles durcheinander. In jeder Minute Anspannung mit all den Kindern und die Kosten für Verpflegung und Unterhalt steigen und steigen… Es ist in dieser Zeit eine schwere Bürde, das Waisenhaus am Laufen zu halten, aber dank eurer Zuneigung, Liebe und Unterstützung haben diese Kinder weiterhin  ein gutes Leben und die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft. Wir lieben euch und beten für euch.“  

Windhoek/Namibia

Das kleine Schul- und Community-Zentrum mit seinen bunten Containern, Spielplatz, Kantine und herzlichen Mitarbeitern macht als Oase inmitten der informellen rapid steigender Infektionszahlen im zweiten Lockdown. Der Staat ist mit der Eindämmung beschäftigt, doch erst 5 % der Bevölkerung wurden geimpft. Im Unterschied zu 2020 verzeichnete auch Katutura einige Todesfälle. Die Schule musste vorübergehend geschlossen werden. Dennoch war im gegenseitigen Austausch immer Hoffnung und Dankbarkeit zu vernehmen. 

Wie bereits im Lockdown 2020 setzt sich das Team von FHS während der Schulschließung dafür ein, die Schulkinder und ihre Familien materiell wie seelsorgerlich zu unterstützen. Im vergangenen Jahr haben wir entschieden, diesen Einsatz mit 1000 EUR Nothilfe zu unterstützen, die v.a. in den letzten Monaten zum Einsatz kam. Damit konnte in den drei Monaten des Lockdowns täglich 295 Kindern mit einer warmen Take-away Mahlzeit und 20 Familien ohne Zugang zu Essen und Trinken mit Lebensmittelpaketen und Gasflaschen durch die Krise geholfen werden. Des Weiteren wurde Aufklärungsarbeit geleistet, das Viertel mit Hygieneartikeln und die Kinder mit Home-Schooling Material versorgt.

Die Lage erholt sich glücklicherweise, und seit Mitte August versucht man zum Alltag zurückzukehren. Aber die Folgen sind schwerwiegend und werden noch lange anhalten. Viele, die auf den informellen Sektor angewiesen sind, haben keine Einkünfte. Die Kinder leiden unter häuslicher Gewalt und Unterbeschäftigung. Die Leiterin des Projekts Foibe Silvanus ist in diesen Tagen neben ihrer Verwaltungstätigkeit auch in ihrem gelernten Beruf als Community Counsellor unterwegs und berät und unterstützt verzweifelte Mütter und psychisch kranke Kinder. Nicht selten verhindert sie damit auch einen Suizid.

Freude, Hoffnung, Belohnung und Motivation zu spenden, sind für FHS ein besonderes Anliegen. So wurde im Dezember mit 250 Kindern ein großes Weihnachts- und Schuljahresabschlussfest gefeiert, bei dem jedes Kind ein kleines Festmahl bekam. Zu feiern gab es einiges: Trotz der Hürden haben 84 % der Schüler und Schülerinnen den Schuljahresabschluss bestanden, d.h. 22 konnten somit (zurück) auf eine reguläre Schule überwiesen werden. Im derzeitigen Schuljahr 2021 nehmen insgesamt 25 Kinder am dreijährigen Wiedereingliederungsprogramm teil.

Kinder aus dem Slumviertel, oft zugezogen aus Stammesgebieten oder Farmarbeiterfamilien, sind häufig in der Schule benachteiligt, da sie über weniger Vorschulbildung und Englischkenntnisse verfügen oder stark traumatisiert sind. Um einem Schulverweis frühzeitig vorzubeugen, erweiterte FHS in den letzten Jahren sein Early Childhood Development Programm (ECD), ein Vorschulangebot für Vier- bis Sechsährige.  Zur Zeit nehmen mit 50 Kindern in zwei Klassen bereits mehr als im Vorjahr teil, weshalb neuer Lernraum benötigt wird.

2020 haben wir 3500 Euro gespendet, um die Anschaffung eines weiteren Containers und dessen Umbau und Ausstattung als Klassenzimmer zu ermöglichen. Die Anschaffung verzögerte sich aufgrund der Situation, doch Ende Juli 21 konnte der Container für 1860 EUR bestellt werden. Nun warten alle gespannt auf den Tag der Anlieferung. Lehrerin Ana Paulo freut sich und betont, wie wichtig es sei, Raum für die frühkindliche Entwicklung zu schaffen. Mit knapp 300 EUR konnten bereits 25 Stühle und sechs Tische für die Ausstattung angeschafft werden. Mit den verbleibenden Mitteln soll, sobald möglich, der Umbau und die weitere Ausstattung des Containers finanziert werden.  

Für das kommende Jahr 2021/22 bestehen weitere Pläne zum Ausbau des Zentrums. Zunächst besteht weiterhin Bedarf an Schulmaterial, insbesondere neuen Tafeln. Das Zentrum wird als sicherer Aufenthaltsort für Kinder immer wichtiger, weshalb die Anlagen ausgebaut und zum Teil erneuert werden sollen. So soll der Spielplatz erweitert und renoviert, und der überdachte Vorplatz, der als Pausenraum dient, mit einer soliden Mauer umrundet werden, um vor Starkregen zu schützen.

Bei all diesen Aktivitäten braucht das Projekt “Family of Hope Services“ dringend weitere Unterstützung, gerade auch im Zeichen der Pandemie. Da akute Hilfsprogramme je nach Bedarf von den Verantwortlichen vor Ort entschieden werden müssen, wollen wir auch dieses Jahr wieder eine Corona-Hilfe auszahlen. Daneben sollen aber auch die konkreten Pläne zum Ausbau dieses Projekts unterstützt werden.

Foibe Silvanus drückt ihre Dankbarkeit über die bisherige Unterstützung unseres Vereins mit folgenden Worten aus:

„Die Unterstützung kam genau zur richtigen Zeit, als unsere Herzen schwer waren von den massiven Nöten um uns herum und den Folgen der Pandemie. Es ist ein langer Weg, die Menschen unserer Gesellschaft zu unterstützen, die den Umständen in diesen unsicheren Zeiten wehrlos ausgesetzt sind, besonders die Kinder. Es sind Menschen wie Sie, die uns ermutigen tagtäglich weiterzumachen“.