Das AHP²V in Baham, Kamerun

Das AHP²V
A
ssociation Humanitaire pour la Promotion des Personnes Vulnerables
(Humanitäre Einrichtung für die Förderung bedürftiger Menschen)

in Baham in Kamerun

       Einer trage des Anderen Last.
Darum, solange wir noch Zeit haben,
lasset uns Gutes tun an jedermann.
Gallater 6

Mit diesen Empfehlungen des Apostel Paulus im Herzen fühlt sich der Verein berufen, denen Hilfe zu bringen, die sie am meisten nötig haben: benachteiligten Personen, um die sich niemand kümmert. Es handelt sich um Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderun-gen, um Waise, Blinde und um Kinder aus sehr bedürftigen Familien. Der Verein will denen Leben bringen, die durch die Geburt am meisten benachteiligt sind.

Der Verein wurde 1997 von Zacharie Pokam gegründet. Er besteht heute aus 7 aktiven Vereinsmitgliedern. Das globale Ziel des Vereins ist es, behinderten Personen und Waisen, Männern und Frauen zu helfen, ihre intellektuellen Möglichkeiten zu entwickeln und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Um das zu erreichen setzt der Verein seine Aktivitäten auf folgende Schwerpunkte:

  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Gesundheit und ärztliche Betreuung der Behinderten extern und intern
  • Alphabetisierung und schulische Förderung
  • Berufliche Bildung
  • Produktion in den Werkstätten
  • Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen im In- und Ausland mit dem Ziel des Austausches und der Mittelsuche

Öffentlichkeitsarbeit

Der Verein ist bemüht, seine Arbeit und das Heim in der Umgebung bekannt zu machen, um eine Anlaufstelle für alle Bedürftigen zu sein und die Hemmungen in der Bevölkerung gegenüber behinderten Menschen abzubauen. Durch seine Offenheit und die Teilnahme an mehreren Märkten, auf denen die Bewohner ihre Produkte mit Erfolg anbieten, ist das Bewusstsein der Bevölkerung von Baham und Umgebung bezüglich behinderter Menschen und ihrer schlechten Lebensbedingungen bereits erheblich gestiegen.

Gesundheit und ärztliche Betreuung

Dank der Verfügbarkeit und des Einsatzes der Krankenpflegerin (Denise Pokam, Leiterin der Einrichtung) haben die Krankheitsfälle der Bewohner in den letzten Jahren stark abgenommen.

Über eine Zusatzausbildung in Kräuterheilkunde hat sich Frau Pokam das Wissen angeeignet, mit den Bewohnern im eigenen Garten medizinische Heilpflanzen anzubauen um sie für den Eigenbedarf zu nutzen und so die Kosten für Medikamente enorm zu senken.  Darüber hinaus dient der Verkauf von medizinischen Heilpflanzen der Einrichtung als zusätzliche Einnahme-quelle. Viele der Bewohner brauchen Hilfsmittel (Gehilfen, Schienen, Rollstühle) um mobil sein zu können. Einige warten auf die Operation ihrer Füße/Beine. Seit Oktober 2009 wird das Heim durch eine deutsche Physiotherapeutin unterstützt, die von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) Deutschland in Baham eingesetzt wird. Die Anwesenheit und die Wirkung ihrer Arbeit, begleitet von ihrem Ehemann, bringt große Erleichterung und eine körperliche Verbesserung der Bewohner. Zusätzlich bildet sie die Heimleiterin und gelernte Krankenschwester Denise Pokam als Physiotherapeutin aus.

Ernährung

Die Bewohner bekommen dank der Unterstützung aus verschiedenen Quellen eine ausreichende – wenn auch noch verbesserungswürdige –  Ernährung. Auf dem Gelände wird von den Leitern und Bewohnern ein großer Gemüsegarten unterhalten, der die Kosten für Nahrungsmittel reduziert und den Bewohnern die Möglichkeit bietet, sich im Gartenbau fortzubilden. In der Woche kümmert sich die Köchin Paulette um das Mittagessen. Abends und am Wochenende bereiten die Bewohner selbst ihre Malzeiten zu. Eine gute Ernährung garantiert die Vorbeugung von Krankheiten und ist Voraussetzung dafür, dass die Bewohner konzentriert der Alphabetisierung, der schulischen Förderung und der künstlerischen Ausbildung folgen können.

 Alphabetisierung und schulische Förderung

Ein paar der Bewohner besuchen eine öffentliche Schule. Das Schulgeld sowie die Kosten für Schulkleidung und Material für diese Kinder muss in der Regel das Heim aufbringen, da die Eltern dazu meist nicht in der Lage sind und es auch keine staatliche Unterstützung gibt.

Nicht alle Bewohner können eine öffentliche Schule besuchen und erfolgreich in ihr lernen. Für diese Bewohner bieten die Mitarbeiter des Heims eine schulische Förderung an, die Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, Hygiene und Kommunikation beinhaltet. Die Alphabetisie-rung und schulische Förderung bilden eine notwendige Grundlage für die Arbeit in den Werkstätten. Ihr Mitarbeiter George ist dank seiner Zusatzausbildung in Informatik eine große Hilfe in der Buchführung und Evaluation sowie bei der Anleitung der Bewohner, mit dem PC zu arbeiten. Allerdings mangelt es an geeigneten Klassenräumen, Schulmöbeln, Büchern, Computern sowie Arbeitsmaterial.

Berufliche Bildung und Produktion in den Werkstätten

Im Rahmen des Heimalltags  können die Bewohner in zwei unterschiedlichen Werkstätten lernen und arbeiten. In der Bambuswerkstatt lernen die männlichen Bewohner verschiedene Möbel aus Bambusrohren herzustellen. Bambus ist ein weit verbreitetes und leicht zu verarbeitendes Material. Die stabilen Möbel werden ohne Schrauben und Nägel gebaut und nur mit Leim und Bambusstiften zusammengehalten. Die einzigen Werkzeuge, die für diese Arbeit benötigt werden, sind Messer, Hammer und Säge. Die Möbel dienen dem Eigenbedarf und finden Absatz auf dem Markt. Sie werden auch auf Ausstellungen präsentiert und haben schon Preise gewonnen.

In der Werkstatt für Frauen wird Kleidung genäht sowie Schmuck und Taschen hergestellt. Die Bewohnerinnen lernen an der Maschine zu nähen – je nach ihren Möglichkeiten an der elektrischen oder Fußbetriebenen Nähmaschine.  Außerdem lernen sie Knüpfen und verschie-dene Arten der Schmuckherstellung. Kleider, Schmuck und Taschen werden auf Märkten angeboten oder im Atelier direkt verkauft. Eine regelmäßige Einnahmequelle ist die Anfertigung von Schulkleidung.

Aus beiden Werkstätten haben sich bereits Bewohner der Einrichtung mit ihrer Unterstützung selbständig machen können und sich so in die Lage versetzt, eigenständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Daneben ist der Erlös vom Verkauf aus den Werkstätten eine wichtige Einnahmequelle für die Einrichtung.

Neben diesen zentralen Werkstätten, in denen täglich gearbeitet wird, unterhält der Verein einen großen Garten, in dem Gemüse, Obst und Heilpflanzen angebaut werden, produziert eigenen Honig und betreibt eine Hühneraufzucht. Um eine noch sichere regelmäßige Einnahmequelle zu bekommen, die den Verein langfristig unabhängiger von Spenden machen würde, plant er ein größeres Landwirtschaftsprojekt. Für dieses Projekt ist er auf der Suche nach einem geeigneten landwirtschaftlich zu nutzenden Areal und nach Spenden, die sie in der Startphase dieses Projekt unterstützen.

Personal und Budget

Zurzeit arbeiten in dem Verein 4 Mitarbeiter:
Zacharie Pokam (Gründer und Heimleiter)
Denise Pokam (Gründerin, Heimleiterin und Krankenschwester)
Paulette  (Köchin)
George Kout Mbepa  (Hühnerzucht, Gartenarbeit, Informatik, Unterricht)

Zurzeit leben 18 Bewohner fest im Heim. Zusätzlich werden 6 Frauen eines Minoritäten-stammes aus dem Norden Kameruns von 9.00 bis 14.00 Uhr im Heim alphabetisiert und im Nähen ausgebildet.

Der Verein erhält keinerlei staatliche Unterstützung und die Eltern der Bewohner sind nicht in der Lage, für den Aufenthalt im Heim zu zahlen. Das geringe Budget bedeutet immer wieder eine große Herausforderung, die oft nur durch den Verzicht der Mitarbeiter auf ihre Gehälter bewältigt werden kann.

Seit ein paar Jahren ist der Verein in der glücklichen Lage, fast durchgängig Volontäre aus Deutschland (über DED und VEM) aufnehmen zu können. Die Mitarbeit der Volontäre bedeutet für dien Einrichtung eine große Bereicherung, wovon vor allem auch die Bewohner sehr profitieren.

Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen im In- und Ausland

Der Verein arbeitet seit Jahren erfolgreich mit folgenden Organisationen zusammen:

  • Fondation Manengouba Holland
  • Association Camerun B.A. Schweiz
  • Vereinte Evangelische Mission (VEM) Deutschland
  • Deutscher Entwicklungsdienst (DED)

Projekte

Das Heim ist zurzeit auf einem Gelände der kamerunschen Kirche untergebracht. In einem ehemaligen Schulgebäude befinden sich auf sehr beengtem Raum die Schlafräume der Bewohner, ein Aufenthaltsraum und ihre sanitären Anlagen sowie die Büros der Heimleitung, Mitarbeiter und Volontäre. In einem weiteren Gebäude, das die Heimleiter in Eigenarbeit errichtet haben, befinden sich die Werkstätten, eine Küche, ein Aufenthaltsraum, der Esssaal sowie die Zimmer und das Bad für die Volontäre. Aus mehreren Gründen ist ein Neubau auf einem ca. 1km entfernten Gelände geplant:

1. Unabhängigkeit von der kamerunschen Kirche, die neuerdings eine Pacht für die   Grundstücksnutzung fordert.
2. Die Vergrößerung und Verbesserung der Wohnverhältnisse der Bewohner.
3. Anbindung an das, von der Stiftung “Manengouba“ finanzierte, Physiotherapie-    zentrum, in dem die Heimbewohner jetzt schon von der deutschen Physiotherapeutin behandelt werden.
4. Anbindung an das Krankenhaus neben dem Physiotherapiezentrum
5. Offizielle Übereignung dieses ca. 10 ha großen Geländes durch den Bürgermeister von Baham auf dem eine Erweiterung des Heimes auf 40 Bewohner möglich ist.

Für dieses Projekt wurden bereits Baupläne für den Schlafkomplex der Bewohner, den Küchenkomplex sowie den Bürokomplex in Zusammenarbeit mit einem Polier angefertigt. Da das Grundstück auf abschüssigem Gelände liegt, muss es vor Beginn der Bauphase in Form von 3 Terrassen begradigt werden. Sowohl für die Begradigung des Geländes wie auch für den Bau der 3 geplanten Gebäudekomplexe liegen bereits Angebote vor. Dank der finanziellen Unterstützung von “Zukunft für Kinder“ und der holländischen Stiftung “Manengouba“ kann in diesen Tagen mit den Geländearbeiten begonnen werden.

Links zu Berichten von Freiwilligen:

http://www.vem-freiwillige.de/?christine
http://annika.vem-freiwillige.de/post/15/316